Der Feuerwehrverein

Zusammengestellt aus dem Nachlass von Josef Schintag mit Ergänzungen von Thea Frank

Die Feuerwehren der deutschen Gemeinden des Oberen Adlergebirges : Gießhübel, Pollom, Sattel, Plaßnitz, Schediwie, Deschnei, Tanndorf und Michowie waren im Bezirksverband Nr. 107 zusammengeschlossen. Vor dem 1. Weltkrieg hieß er: Verband der Feuerwehren der deutschen Gemeinden im Bezirk Neustadt a. d. M.

In Gießhübel stand das alte Feuerwehrhaus, auch Gerätehaus oder Spritzenhaus genannt, neben dem Armenhaus Nr. 33/St. Es besaß einen Turm zum Trocknen der Schläuche. Der Turm wurde auch zu Sprungübungen in das Sprungtuch benutzt. An Löschgeräten waren vorhanden: Eine vierrädrige Handdruckspritze, die älteste von allen, zwei zweirädrige Handdruckspritzen mit zwei zweirädrigen Vorspannwagen für ein Pferdegespann und eine zweirädrige Motorspritze mit Vorspannwagen.

Die Länge der Gemeinde (über 8 km) erforderte es, ein weiteres Spritzenhaus in Obergießhübel zu errichten. Erbaut wurde es im Jahre 1910 oberhalb des Hauses Nr. 107/O. Dort war eine zweirädrige Handdruckspritze mit Vorspannwagen untergebracht.

Die Alarmierung der Feuerwehrmänner erfolgte seinerzeit durch Nebelhörner, da nur wenige Telefonanschlüsse vorhanden waren. In Obergießhübel gab es bis zur Vertreibung kein Telefon.

Der erste Feuerwehrkommandant oder Hauptmann soll Adolf Soumar gewesen sein. Jahrelang führte die Wehr Benedikt Stonjek (Kohlenhändler) und zuletzt Anton Veit (Gerber), der 1945 von Tschechen abgeführt wurde und nicht mehr wiederkam. Der erste Zugführer des Zuges in Obergießhübel war Wilhelm Schintag, nach dessen Tode im Jahre 1936 der Tischlermeister Friedrich Kossek d. Ä.

Zur Anschaffung der Löschgeräte hat der Theaterverein mit Erlösen von Aufführungen beigetragen. Weitere Einnahmequellen waren die Erträge aus den Feuerwehrfesten und den gut besuchten Feuerwehrbällen. An den Feuerwehrfesten beteiligten sich auch Vereine aus Schlesien und Abordnungen von tschechischen Vereinen. Das letzte fand im Jahre 1938 in Schediwie statt.


Die KLEINE FEUERWEHR von Gießhübel

Nach mündlicher Überlieferung sind nach der Jahrhundertwende in Gießhübel folgende Häuser durch Brand vernichtet worden: Die landwirtschaftlich genutzten Gebäude Nr. 121/O., letzter Eigentümer Wenzel Stonjek (Tinz-Wenzel) und Nr. 133/O., letzter Besitzer Johann Schmoranz (Dintersch Hannes). Diese beiden Gebäude stehen sich gegenüber. Von dieser Feuersbrunst wurde auch das Wohnhaus Nr. 26/O. vernichtet und nicht mehr aufgebaut. – Ferner brannte die Schmoranzschmiede beim Hause Nr.88/O. Sie wurde nicht mehr aufgebaut. Letzter Besitzer der Brandstelle war der nicht ausgewiesene Josef Klar.

Seit 1900 sind nachstehende Brände bekannt:

Nr. 53/O. Rotzmann Eduard (am Fronleichnamstag 1931)

Nr. 66/O. Herzig Franz (zweimal in wenigen Jahren)

Nr. 67/O. Stwrtetschka (zweimal in wenigen Jahren, nicht mehr aufgebaut)

Nr. 113/O. Balcar Franz (Weberei)

Nr. 34/O. Schintag Wilhelm, Weberei (am 20.1.1910 das Wohnhaus, am 19.4.1910 die zuvor gerettete Scheuer)

Nr. 21/O. Franke (kleines Wohnhaus, wurde nicht wieder aufgebaut)

Nr. 18/O. Gasthaus Wolf (wieder aufgebaut durch Josef Kohl als Gasthaus "Zur Hohen Mense")

Nr. 133/St. Feist Wilhemine (nicht mehr aufgebaut)

Nr. 116/St. Teubel Franziska

zu 2/St. Scheuer des Ant. Marsik ( an derselben Stelle stand die Scheuer von Schrutek, aus welcher der große Brand im Jahre 1861 entstand )

zu 13/St. Scheuer des Johann Feist

Nr. 39/St. Die "Strooßa-Schmiede"1903

zu 58/St. durch Selbstentzündung von Heu in der Scheune des Soumar ( der Brand wurde rechtzeitig bemerkt und gelöscht )

Nr. 68/U. Wohnhaus des Swetkik Wenzel (Schneider-Wenzel)

Nr. 64/U.

Einen besonderen Einsatz erlebte die Feuerwehr bei dem im August 1910 in Obergießhübel niedergegangenen Wolkenbruch. Das Hochwasser hatte zahlreiche Brücken weggerissen, die Straße in Obergießhübel unterspült und zum Teil weggeschwemmt und die im Staadtla am Alscherbach gelegenen Häuser sehr in Mitleidenschaft gezogen.

1954 wurde in Erfahrung gebracht, dass die Barton-Villa unterhalb des "Grünen Tal", die als Erholungsheim der Gendarmen in Verwendung stand, gänzlich niedergebrannt ist.

1956  wurde berichtet, dass die Soumar-Fabrik, die auf Seifenproduktion umgestellt worden war, nach einer Explosion bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist.

Am 21. Mai 1994 fand in Gießhübel im Adlergebirge zum 115. Jahrestag der Entstehung des hiesigen Feuerwehrvereins ein kleines Fest statt.


Feuerwehrverein von Olesnice / Gießhübel 1994

Dieses Fest war mit einem Wettbewerb des 14. Und 15. Feuerwehrbezirks verbunden, d. h. die Stellvertreter von Gießhübel, Deschnei bis nach Dobruschka nahmen teil. Dazu erreichte mich von einem derzeitigen Vereinsmitglied folgender Artikel:

"Eine der guten Eigenschaften der Menschen ist, dass sie sich bei drohender Gefahr des Feuers helfen können. Es gab große und verbreitete Brände in der Umgebung, z.B. in Novy Hradek am 9. 5. 1843, wo damals insgesamt 45 Wohnhäuser ausbrannten, oder bei uns in Gießhübel, als am 21.10.1861 der ganze Marktplatz, die Kirche und die Straße zur Schule nieder brannten. Zusammen waren es 29 Wohn- und 7 Wirtschaftsgebäude. In einem Haus, damals Nr. 14, kam eine Frau im Feuer ums Leben. In dieser Zeit entstanden in Böhmen und in Deutschland die ersten Feuerwehrvereine.

In Gießhübel wurde so ein Verein am 4. 6. 1879 gegründet. Deutsch hieß er "Freiwilliger Feuerwehrverein".


Feuerwehrfahne

Damals waren nämlich die meisten Einwohner von Gießhübel deutscher Herkunft. Bei der ersten tschechoslowakischen Volkszählung waren in Gießhübel von 1600 Einwohnern 1273 Deutsche, 321 Tschechen und 6 Einwohner anderer Nationalität.

Am 23. Juni 1929, als der Gießhübler Feuerwehrverein seinen 50. Jahrestag feierte, wurde festgestellt, dass es 36mal außerhalb der Gemeinde tätig war.

Seit Gründung des Vereins gab es zwei Weltkriege. Nach dem 2. Weltkrieg litten die Deutschen sehr. Viele starben oder wurden vertrieben. Fast in jedem Haus war mindestens ein gefallener Soldat. Unter ihnen waren auch viele gute Feuerwehrleute.
Nach der Aussiedlung im Jahre 1946 blieb in Gießhübel nur ein Drittel der Einwohner. Nur mit größter Mühe gelang es nach dem Krieg, den Feuerwehrverein in Bereitschaft zu halten. Die Technik war veraltet, die aussortierten Fahrzeuge aus der Armee waren in schlechtem Zustand.

Die erste neue Technik war die Feuerwehrspritze DS 16, mit welcher der Verein im Jahre 1956 ausgestattet wurde. Zwanzig Jahre später war es die Feuerwehrspritze PS 12, die wir noch bis heute haben. Nach einigen Waldbränden in den siebziger und am Anfang der achtziger Jahre wurde die Anschaffung eines Feuerlöschautos notwendig. Für so ein Auto musste man ein geheiztes Feuerwehrhaus bauen. Der Bau begann im Jahre 1983 in der sogenannten "Z-Bewegung", und dank der Unterstützung des damaligen Nationalausschusses, der Tschechoslowakischen Versicherungsanstalt und der harten Arbeit einiger Feuerwehrleute wurde der Bau im Jahre 1989 beendet. Das Feuerwehrhaus wurde mit einem älteren, aber guten Feuerwehrauto ausgestattet, das wir aus Dobruschka bekamen..... .

Und wie endete der Wettbewerb der Bezirke? Es gewannen alle, die sich daran beteiligten."




Am 25.7.2009 beging der Verein der Freiwilligen Feuerwehr sein 130-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Im Wettbewerb der Bezirke erhielt die Feuerwehr unseres Heimatortes unter Führung von Josef Kloucek den 1. Preis.