Alois Kossek

Gemeindebetreuer von Gießhübel von 1952 1959


 

Alois Kossek wurde als 2. Sohn des Tischlermeisters Josef Kossek am 3.6.1901 in Gießhübel / Adlergebirge geboren. Nach der Beendigung seiner Schulzeit an der Volks- und Bürgerschule in Gießhübel erlernte er bei seinem Vater das Tischlerhandwerk und übernahm nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1927 den väterlichen Betrieb.

Schon frühzeitig betätigte er sich am öffentlichen Leben. Im Turnverein war er ein eifriges Mitglied und im Freiwilligen Feuerwehrverein war er jahrelang Schriftführer. Er war gründendes Mitglied der SP, der er als Bezirksleiter vorstand und war Mitglied des Gemeinderates. Seine religiöse Gesinnung fand als Kirchendiener Ausdruck. Ab 1.1.1939 trat er in den Dienst der Reichspost, wurde nach zweijähriger Dienstzeit zur Wehrmacht eingezogen und verbrachte den Winter 1941/42 an der Front in Rußland.

Am 5.5.1945 geriet er als Verwundeter in Prag in russische Gefangenschaft und kam nach Rumänien, von wo aus er als Kranker entlassen wurde. Seine Familie traf er in Rehburg-Stadt. Als politisch Belasteter wurde er vorerst bei der Post nicht eingestellt und fristete seinen Lebensunterhalt als Waldarbeiter, bis er im Jahre 1947 bei der Post wieder eine Anstellung fand. In seinem Wirkungsorte gründete er die Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft, im Bund der Vertriebenen wählte man ihn zum 2. Vorsitzenden und dem BdKK stand er als 1. Vorsitzender vor. Im Jahre 1956 wurde er als unabhängiger Kandidat auf der Liste des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten in den Stadtrat gewählt und gehörte dem Finanz- und Wirtschaftsausschuß an und war gleichzeitig Protokollführer im Stadtrate.

Nach einem heimtückischen, geduldig und standhaft ertragenen Leiden verstarb er am 19.1.1959 im Alter von 57 Jahren. Hunderte von Trauergästen gaben ihm das letzte Geleit. Vereine waren mit Fahnen und Musik ausgerückt, an seinem Grabe sprachen der Bürgermeister, sein Amtschef, Kollegen und der Verbandvorsitzende letzte Worte des Abschieds und der Anerkennung. Postler und Förster folgten dem Sarge in Uniform und auch der evang. Pfarrer ging im Trauerzuge mit. Viele Kränze und Blumensträuße deckten sein Grab. Als unbekannter, abgerissener, entlassener Kriegsgefangener war unser Ldm. Alois Kossek nach Rehburg gekommen. Als kleiner Beamter hatte er sich bald im Orte beliebt gemacht und genoß in allen Schichten der Bevölkerung, ob seines lauteren, hilfsbereiten Wesens und wegen seiner gütigen und menschlichen Art wohlverdientes Ansehen.

Der damalige Kreisbetreuer Ferdinand Küssel schrieb zum ehrenden Gedenken an Landsmann
Alois Kossek:

"Wiederum hat der Tod in der Reihe der Gemeindebetreuer für den Heimatkreis Oberes Adlergebirge eine empfindliche Lücke gerissen. Der seit 1952 als Betreuer für seine Heimatgemeinde Gießhübel bestens bewährte Lm. Kossek ist allzu früh aus dem Leben geschieden. Wohl hat er in den Jahren seiner Tätigkeit als G.B. zufolge seines Fleißes und seiner Gewissenhaftigkeit die ihm übertragenen Arbeitsaufgaben, so die Anlegung einer Ortskartei, eins Grundbesitz - Verzeichnisses, der Gemeindeseelenliste mit 1306 erfaßten Personen u.a.m. zur vollen Zufriedenheit gelöst. Weitere Arbeiten, wie die Erstellung einer Gemeinde-Gemarkungskarte und Mitwirkung bei der Ost-Dokumentation, waren von dem Heimgegangenen bereits in Angriff genommen worden.

Seine besondere Fürsorge galt den in Mitteldeutschland lebenden Gießhübler Heimatgenossen, von denen die Unterstützungsbedürftigen mit Geschenksendungen bedacht wurden. In welchem Maße er es verstand, durch einen regen Schriftverkehr mit den Gießhübler Ortsgenossen deren Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten, beweist die überaus starke Teilnahme von Gießhüblern an den Sudetendeutschen Tagen in den letzten Jahren. Auch als gewähltes Mitglied des Kreisrates hat der verstorbene Alois Kossek seine ehrenamtlichen Aufgaben nach bestem Vermögen erfüllt.

Mit Dank und Anerkennung gedenkt darum der Kreisrat seines verstorbenen Mitgliedes und wird gleich all den Heimatgenossen, die Alois Kossek gekannt und geschätzt haben, ihm auch weiterhin ein ehrendes Gedenken bewahren." 


Nach Unterlagen aus "Mei Heemt" 3/59 zusammengestellt von T.F.