Die Entstehung von Gießhübel im Adlergebirge

Auszug aus: "Die Geschichte von Gießhübel im Adlergebirge",
zusammengestellt 1996 aus verschiedenen Quellen
von Jaroslava Lemfeldová +



Im 9. und 10. Jahrhundert blühte der Warenaustausch zwischen den Völkern auf, was zur Folge hatte, daß sich bestimmte Handelsstraßen bildeten. Die Hauptroute verlief von Prag nach Glatz, wo sich eine Nebenroute nach Königgrätz und weiter nach dem heutigen Dobruska abzweigte. Diese verlief dann weiter über das Valstal nach Ohnisov bis nach Bystré und weiter durch den Gebirgspass Dobrany zum heutigen Gießhübel. Von dort führte sie nach Lewin und weiter nach Glatz zur Hauptroute.

Die Nebenrouten waren keine gepflegten Straßen im heutigen Sinne, zum Teil nur Trampelpfade, die nicht gepflegt waren. Diese führten durch tiefe Wälder und Moorgebiete und konnten nur mit Pferden passiert werden. Diese Pferde nannte man Saumesel, so dass sich für diese Nebenstrecken der Name "Saumeselroute" einbürgerte. Später wurden dann Wege und Straßen angelegt, damit man mit Pferdewagen fahren konnte.

Vom Norden hat man Bernstein, Schmuck, Waffen, Felle, Gewürze, Salz und Tabakwaren eingeführt. Ausgeführt hat man landwirtschaftliche Produkte, Pferde, Vieh, Wachs, Silber, Stoffe, Holzprodukte, später auch Bier und Schnaps. Manchmal hat man auch Gefangene und Verbrecher als Sklaven verkauft.
Den Handel betrieben in der Hauptsache Juden.

Mit der Zeit wurden entlang der Handelswege Herbergen, Gasthäuser, Schmieden und später kleine Kirchen gebaut. Und so ist auch Gießhübel entstanden, was durch den Bach Olesenka noch begünstigt wurde.

Auf den Hügeln und Anhöhen haben slawische Wachtposten gestanden, deren Aufgabe war, einen etwa herannahenden Feind durch Feuerzeichen zu melden.

Die Menschen lebten hauptsächlich vom Bäume fällen, der Jagd, sowie der Herstellung von Schindeln, Holztellern und Löffeln. Auf den Feldern wurden Lein, Hafer und Kartoffeln angebaut.

Durch das Auftauchen immer neuer Berufe sind mit der Zeit die Zünfte entstanden.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde das Leben der Bevölkerung sehr stark von der Herstellung von Eisen und dessen Erzeugnissen beeinflußt. Man schmiedete Nägel, Feilen, Löffel und verschiedene andere Eisenwaren.

Rund um Gießhübel entstanden Erzgruben. Hauptsächlich bei der "Cihalka" (früher: Schnappe) und im sogenannten Grenzwald. Zur Verarbeitung des Eisens brannte man Holzkohle. Außerdem gab es damals Granitsteinbrüche, woraus sehr guter Granit gebrochen wurde und Kalkgruben, wo Kalk gebrannt wurde.

Die Familien Trcka bauten die ersten Hämmer (Schmieden).

Durch die Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten kamen damals viele Menschen nach Gießhübel.

Im 19. Jahrhundert wurde die Baumwolle eingeführt, was zur Folge hatte, daß sehr viele Familien mit Weben anfingen. In fast jedem Haus stand ein Webstuhl, oftmals mehrere.

Zwei Ziegeleien brannten Ziegeln und entlang der Olesenka (Alscher) klapperten fünf Mühlen.

Die Bevölkerung war ursprünglich ein freies Volk, nur eingebunden in Pflichtarbeiten, die notwendig waren zur Verteidigung von einfallenden Feinden.

Das änderte sich allerdings schlagartig, als der Letzte vom Geschlecht der Premysliden an die Macht kam. Die Zeit der Fronherren begann. Neben den Steuern, die eingezogen wurden, mussten die Menschen sogenannte Frondienste – unbezahlte Arbeiten – für den jeweiligen Fronherren leisten. Je mächtiger die Fronherren wurden, um so mehr wurde das Volk unterdrückt. Konnten sie sich am Anfang noch frei bewegen, wurde diese Bewegungsfreiheit durch ein Gesetz aus dem Jahre 1478 eingeschränkt. Die Untertanen durften das jeweilige Herrschaftsgebiet ihres Fronherren nicht mehr verlassen. Gießhübel gehörte damals zum Gebiet Frymburg, also waren die Bewohner an das Frymburggebiet gebunden.

Bei der Übersetzung von der tschechischen in die deutsche Sprache halfen Maria Pulpitlová, Marie Klar, Anna Svetliková.

T.F.